Am Freitag, 13. März, feiert die Lebenshilfe im Kreis Rottweil gGmbH ihre neue Kaffeerösterei in Waldmössingen. Viele Arbeitsschritte binden viele Menschen mit Behinderung ein.
Die Kaffeerösterei der Lebenshilfe in Schramberg-Waldmössingen ist ein Erfolgsmodell. Während sie vor vielen Jahren noch eher eine Schaufunktion hatte – geröstet wurden pro Jahr etwa 200 Kilo Kaffee –, verarbeitete sie im vergangenen Jahr sage und schreibe 25 Tonnen Rohkaffee; Tendenz steigend, denn der Kaffeedurst der Menschen wird größer. „Die Gesamtmenge steigt pro Jahr zwischen zehn und 15 Prozent“, weiß Markus Ettwein, bei der Lebenshilfe im Kreis Rottweil Bereichsleiter für Arbeit und Bildung.
Doch das war nicht der Hauptgrund, warum die Lebenshilfe am Standort in Waldmössingen – direkt hinter dem Lebenshilfe-Restaurant „Zum Frieder“ – in eine neue und größere Rösterei investiert hat. „Unsere erste Priorität ist immer, Menschen mit Behinderung zu fördern, und Kaffee ist ein ganz tolles Produkt.“ Mit der Rösterei entstehen ach bis zwölf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.
Die Kaffee-Produktion lasse sich laut Ettwein in ganz viele unterschiedliche Arbeitsschritte unterteilen – vom Lager über den Weitertransport bis zu den Verpackungen, die auch noch mit verschiedenen Labels versehen werden. In Anlehnung an die drei Ortsvereine Schramberg, Rottweil und Oberndorf gibt es auch extra Hausmischungen; die Mischung „Schramberger Zeitraffer“ (angelehnt an Schramberg als Uhrenstadt), die Mischung „Rottweiler Hochgenuss“ (angelehnt an den berühmten Hund und die vielen Türme der Stadt) und das „Oberndorfer Neckargold“ (angelehnt an den Neckar, an dem Oberndorf liegt). Es gibt auch einen Shop, in dem der Kaffee direkt gekauft werden kann. Die erwähnten Arbeitsschritte sind an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen angepasst, die die Lebenshilfe beschäftigt. „Wir erstellen für jeden Menschen einen individuellen Entwicklungsplan“, erklärt Markus Ettwein.
Die neue Kaffeerösterei ermöglicht es darüber hinaus, noch mehr Menschen in die Prozesse einzubinden, denn alles findet jetzt ebenerdig statt. Die bisherige Rösterei befand sich im Geschoss über dem Restaurant „Zum Frieder“. Das heißt, für Menschen, die keine Treppen steigen können oder die im Rollstuhl sitzen, war sie als Arbeitsstätte nicht geeignet.
Die Arbeit auf nur einer Ebene ist natürlich auch praktischer, zumal zwischen Lager und Röstofen jetzt nur wenige Meter liegen – von einem Raum in den anderen.
Um der steigenden Nachfrage nach gutem Kaffee gerecht zu werden, hat die Lebenshilfe einen zweiten Röstofen angeschafft. Betrieben wird der neue Ofen durch die Energie, die auf dem Dach der Rösterei von einer Photovoltaikanlage aus Sonnen- und Tageslicht gewonnen wird. Die Röstöfen selbst bestehen aus mehreren markanten Komponenten. Der Rohkaffee wird von oben durch einen Trichter in die Trommel hineingeschüttet. Das sind pro Röstvorgang zwölf Kilo Rohkaffee, der von Beschäftigten in Mehrwegbehältnissen aus dem Lager herübergebracht wird. In der Trommel werden die Kaffeebohnen 16 bis 17 Minuten geröstet. Nadine Nutto, Mitarbeiterin der Lebenshilfe, achtet gemeinsam mit einer Kollegin auf Temperatur, Zeit und den Farbwert des Kaffees. Um den Zustand auch während des Röstvorgangs prüfen zu können, gibt es einen Probeabzieher, mit dem Kaffeebohnen direkt aus der Trommel entnommen werden können. Ein interessantes Phänomen während des Röstens: aus den zwölf Kilo Rohkaffee werden rund zehn Kilo gerösteter Kaffee.
Das restliche Gewicht: Feuchtigkeit und auch die Haut, die abplatzt, wenn die Kaffeebohne aufspringt. Diese Hautpartikel werden abgesaugt und ergeben – verrät Markus Ettwein – ganz nebenbei einen ausgezeichneten Pflanzendünger.
Bevor der Kaffee in große Behälter zum Ausgasen umgeleert wird, kühlt er noch in einem offenen Abkühlsieb aus. Offiziell eröffnet wird die neue Rösterei der Lebenshilfe in Waldmössingen am
Freitag, 13. März.
Bericht aus der Schwarzwälder Bote vom 07. März 2026